Kolloquium der Wüstenrot Stiftung

„Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“ Goethe, natürlich, womit sonst könnte man eine deutsche Preisverleihung würdiger eröffnen. Die Kunsthistorikerin Kerstin Wittmann-Englert tat dies aus gutem Grund, denn aus ihrer Sicht haben wir – so der bekanntere Anfang des Faustzitats – etwas von unseren Vätern ererbt, das wir erst erwerben müssen, um es wirklich zu besitzen. Es geht um Kirchenbauten, die offensichtlich historischen ebenso wie die nachkriegsmodernen. Ausgelobt hatte die Wüstenrot Stiftung einen Wettbewerb für die besten Projekte, wie man eben jene Kirchen in die Zukunft führen und erhalten könne. Und Letztere sieht bundesweit nicht rosig aus

Die Gründe der Misere sind bekannt: weniger Mitglieder, weniger Geld, gleichbleibend viele Kirchenbauten. Doch sieht die Wüstenrot Stiftung hier eher „Herausforderung und Chance“, ließe sich dieser Schatz doch für Kirche und Kommune gleichermaßen heben. Die Resonanz auf den Wettbewerb gibt den Initiatoren Recht, gingen doch stolze 291 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet ein, davon wurden insgesamt neun prämiert, darunter mehrheitlich Nachkriegskirchen. Die Preise überreichte die Wüstenrot Stiftung am 27. April 2016 im Stuttgarter Hospitalhof, selbst ein Vorzeigebau für Kirche in der Stadt. Den Auftakt bildete am Nachmittag ein Kolloquium, das mit Vor- und Impulsbeiträgen sowie einem anschließenden Podium das Thema grundsätzlich einkreiste.

Unter den Rednern fanden sich Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert (TU Berlin), Reinhard Miermeister (Landeskirchenbaudirektor, Evangelische Kirche von Westfalen), Stephan Tschepella (Diözesanbaudirektor i. K., Bistum Speyer), Stadtdekan Søren Schwesig (Evangelische Kirche Stuttgart), Prof. Dr. Kerstin Gothe (KIT Karlsruhe), Dr. Karin Berkemann (moderneREGIONAL, Frankfurt). Die Wüstenrot Stiftung und ihre Fachjury jedenfalls prämierten bewusst solche Projekte, die Kirchen als öffentliche Räume stärken und ihre vorhandenen architektonischen Qualitäten noch unterstreichen. Daher wurde auch nicht „nur“ die jeweilige Gemeinde ausgezeichnet, sondern immer auch der Architekt mit dazu bedacht und auf die Bühne gebeten. Am Rande der Veranstaltung gab es auch eine Wanderausstellung, die rund 20 vorbildhafte Einsendungen aus dem Wettbewerb bundesweit herumzeigen will.

 

Bild: Kehl-Goldschauer, Maria Hilfe der Christen (Foto: Stefan Strumbel, CC BY SA 3.0, OTRS 2011062010011098)

Uni-Exkursion: Kirchen nutzen

Über diese Umgestaltung wurde viel diskutiert: Als man 1989 den Greifswalder Dom nach langen Renovierungsarbeiten wieder einweihte, kamen nicht nur die Vertreter aus Kirche und Kommune, nicht nur der Architekt Friedhelm Grundmann und der Bildhauer Hans Kock, sondern auch der damalige DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker. Damit rückte eine baukünstlerische Frage ins Licht der Kirchen- und Zeitgeschichte – oder war es umgekehrt? Grund genug, gut 25 Jahre später einen Blick auf die näheren Umstände der Greifswalder Domrenovierung zu werfen. An der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald widmete sich dem Thema „Der Greifswalder Dom und die Wende“ nun eine Blockübung, die Studierende der Theologie und der Kunstgeschichte zusammenführt.

Unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Kuhn vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Dr. Karin Berkemann, Kustodin der Gustaf-Dalman-Sammlung, erarbeiteten sich die Teilnehmenden nicht allein anhand von Quellenmaterial die zeitgeschichtlichen Hintergründe. Auf einer Exkursion nach Lübeck konnten die Studierenden zudem Vergleichsbeispiele erkunden und mit ihren heutigen Nutzern ins Gespräch kommen: der gemeindlich genutzte Nachkriegsneubau der Kreuzkirche (1971, F. Grundmann) im Stadtteil St. Jürgen, der wiederaufgebaute und quergerichtete Dom (Renovierung: F. Grundmann, 1977) und die als offener Kunst- und Kulturraum wiederhergestellte St. Petri-Kirche (Umgestaltung: Kirchliches Bauamt, 1987).

 

Bild: Lübeck, St. Petri, Exkursion der Universität Greifswald, 2015 (Foto: K. Berrkemann)

Neuausgabe: Spirituelle Tankstellen

Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse ist es da: die aktualisierte Neuausgabe von „100 spirituelle Tankstellen“. Immer mehr Menschen wandern im Urlaub auf einem Pilgerweg, fasten in einem Kloster oder unterbrechen ihren Alltag mit einem Besuch in der City-Kirche. In ihrer Freizeit suchen sie mehr als Entspannung und Unterhaltung, sie begeben sich auf eine spirituelle Sinnsuche, die nicht selten die Türen zu einem neuen Lebensabschnitt öffnet. Nach kurzen einführenden Fachbeiträgen stellen sich in der Herder-Publikation 100 spannende Angebote nach einem festen Aufbau selbst in Wort und Bild vor.

Ausgewählt wurden von den Herausgebern – Prof. Christian Antz und Dr. Karin Berkemann – anregende und beispielhafte Angebote in Deutschland, teils in Österreich, Benelux und der Schweiz. Die Bandbreite reicht von Projekten am Wasser und im Grünen über Kloster- und Pilgerurlaub bis hin zu Gesundheits- und Fernreisen. Spirituelle Angebote und seelsorgliche Möglichkeiten zusammenge-stellt für Seelsorger und spirituell Interessierte. Auch für Tourismusverbände und Kulturverantwortliche einer Region ein unverzichtbares Buch. Und das wurde frisch auf den aktuellen Stand gebracht.

Antz, Christian/Berkemann, Karin (Hg.), 100 spirituelle Tankstellen. Reisen zu christlichen Zielen, Freiburg i. Br. 2015 – 256 Seiten mit rund 125 s/w-Fotos, 17,0 x 24,0 cm, gebunden, ISBN 978-3-451-31088-1, ca. Euro 19,99, erschienen im Herderverlag, gefördert durch die Akademie der Versicherer im Raum der Kirchen und das Bonifatiuswerk

 

Bild: Pilger-Verkehrsschild am spanischen Jakobsweg (Foto: Ansgar Koreng, CC BY SA 3.0)

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