Im bulgarischen Rundfunk

Die bulgarische Architektin Slava Savova recherchierte 2021 zur deutschen Wiederentdeckung der modernen Architektur. Dafür sprach sie – coronabedingt in verschiedenen Zoom-Sitzungen – mit unterschiedlichen Initiativen, Aktivist:innen und Forscher:innen über die Erhaltung des modernen baukulturellen Erbes. Im Interview mit Karin Berkemann vom Online-Magazin moderneREGIONAL drehte sich alles um die Frage, wie ungeliebte Bauwerke von der Kleinkirche über ostmoderne Architekturen bis zum Erbe der 1990er Jahre an eine breitere Öffentlichkeit vermittelt werden können. Nun ist das Ergebnis des Gesprächs, das zuvor bereits im bulgarischen Radio zu hören war, auch online nachzulesen.

Köln, WDR-Arkaden (Bild: Raimond Spekking, CC BY SA 4.0)

„Das Ende der Moderne?“ ist erschienen

Die Moderne kam in den 1990er Jahren nicht zu ihrem Ende, sondern holte formvollendet Schwung für eine neue Runde. Während sich diese Dekade zwischen Mauerfall und Millennium klar eingrenzen lässt, saß die Baukunst stilistisch zwischen allen Stühlen – zwischen Öko und Hightech, zwischen Rekonstruktion und Rendering, zwischen Magenta-Mint und Anthrazit. Im Zeichen des Neoliberalismus wurde viel gebaut und auf der Suche nach einer Wiedervereinigungsarchitektur noch mehr darüber diskutiert. Was jene Jahre im Kern zusammenhielt, waren die Aufgaben und Inhalte, das Durchbrechen und Neudefinieren von Grenzen.

Wo Forschung und Denkmalpflege heute noch am Anfang stehen, wird in der Immobilienbranche schon munter gesichtet und aussortiert. Daher beschreibt dieser Sammelband, als Startpunkt des moderneREGIONAL-Projekts „Best of 90s“, ebenso übergreifende Entwicklungen wie konkrete Bauten des Arbeitens, des Wohnens und der Freizeit. Mal nostalgisch, mal analytisch, aber immer respektvoll führen die Autor:innen durch das erhaltenswerte Kulturerbe zwischen Post- und Transmoderne. Dieser erste und längst überfällige Rundumblick über die 1990er-Jahre-Architektur im deutschsprachigen Raum regt nicht nur zur fachlichen Neubewertung an, sondern macht auch Mut zum Experiment und Lust auf eigene Entdeckungstouren.

Erschienen bei Urbanophil, gestaltet vom Bureau Punktgrau, auf Grundlage der Beiträge zur Best-of-90s-Tagung im Juli 2021, mit Beiträgen von Kirsten Angermann, Daniel Bartetzko, Eva Devasi, Johann Gallis, Albert Kirchengast, Christian Kloss, Matthias Ludwig, Laura Mameli, Katharina Müller, Dominik Olbrisch, Lorena Pethig, Philipp Reinfeld, Fabian Schmerbeck, Tim Tröger, Sophia Walk und Julia Zinnbauer, herausgegeben von Karin Berkemann. (23.12.21)

„Best of 90s“ ist ein Projekt von moderneREGIONAL mit Baukultur NRW, dem BDA Hessen, dem Denkmalschutzamt Hamburg und dem baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, fachlich beraten durch Kirsten Angermann, Daniel Bartetzko, Dr. Andreas Butter, Dr. Martin Bredenbeck, Dr. Matthias Ludwig und Olaf Mahlstedt, redaktionell betreut von Peter Liptau, unter der Projektleitung von Dr. Karin Berkemann. Tagungspartner war das Baunetz.

Berkemann, Karin (Hg.), Das Ende der Moderne? Unterwegs zu einer Baugeschichte der 1990er Jahre, erschienen bei Urbanophil, Berlin 2021, Softcover, 17 x 24 cm, Hochformat, 192 Seiten, rund 100 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, ISBN 978-3-9820586-9-6.

Brutalismus in Israel und NRW

Groß, dunkel und hässlich – das sind nur einige Attribute, mit denen brutalistische Architektur häufig beschrieben wird. Mehr Wertschätzung gegenüber brutalistischen Bauwerken wünschen sich die Veranstalter von „Brutal Different“, eines binationalen Projektes zwischen Israel und Nordrhein-Westfalen. Die virtuelle Konferenz (auf englisch) bildet den Auftakt zu einem mehrjährigen Austausch. Sowohl Israel als auch Deutschland, besonders Nordrhein-Westfalen, verfügen über ein umfangreiches Erbe im Architekturstil des Brutalismus. Der Umgang mit diesen Bauwerken der Nachkriegsarchitektur ist allerdings umstritten. Expert:innen beider Ländern haben deshalb begonnen, die Öffentlichkeit für die historische, ästhetische und gesellschaftliche Bedeutung brutalistischer Architektur zu sensibilisieren und sich offen auszutauschen. Der virtuelle Kongress ist als offener Raum für den Austausch gedacht, um von den Erfahrungen und Perspektiven des jeweils anderen Landes zu lernen.

In der Veranstaltung soll der Vergleich der beiden Länder als Grundlage für Ideen des zukünftigen Umgangs mit brutalistischem Bestand dienen. Darüber hinaus sollen städtebauliche und einzigartige architektonische Qualitäten analysiert sowie die aktuelle Akzeptanz, die Sanierung und mögliche Lösungen diskutiert werden, um die brutalistische Architektur nachhaltiger zu gestalten. Wissenschaftler:innen, Expert:innen und politische Entscheidungsträger:innen aus Israel und Deutschland werden ihr Fachwissen bei dem binationalen Kongress teilen. In den virtuellen Diskussionen, Vorträgen und Gesprächsrunden können Besucher:innen mehr über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des deutschen und israelischen Brutalismus erfahren. Die Konferenz findet am Mittwoch, 12. Januar 2022, von 10 bis 16 Uhr statt. Es referieren unter anderem Isaac A. Meir (Architekt, Stadtplaner, Archäologe, Ben-Gurion University of the Negev), Rotem Zeevi, (Architektin, Direktorin der Abteilung für Bauwerkserhaltung, Stadtverwaltung Be’er Scheva); Alexandra Apfelbaum, (Lehrgebiet Baugeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege an der FH Dortmund) und Martin Bredenbeck (Wissenschaftlicher Referent im LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland), es moderiert und referiert Karin Berkemann (moderneREGIONAL). Die Konferenz bildet den Auftakt zu einem mehrjährigen Austauschprogramm zur Baukultur in beiden Ländern. Die Online-Anmeldung und die vollständige Übersicht der Referent:innen sowie das Programm findet man online. (23.12.21)

Tel Aviv, Beit Hadar (Bild: Mark, CC BY-SA 3.0)

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