Auf der VDL-Jahrestagung

Denkmalpflege ist Pop, so versprach es zumindest das charmante Plakatmotiv zur diesjährigen Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL): ein bärtiger Berlin-Mitte-Hippster, der frappierend an den Beatles-Zerstörer erinnerte (bitte keine Leserzuschriften, dies ist nur eine von vielen möglichen Meinungen zu den Auflösungsgründen). Das John-Lennon-Lookalike schaute durch eine rosagetönte Nickelbrille auf die Welt und den – erstaunlich modernedurchzogenen – Veranstaltungsort Oldenburg. Sein neugieriger, aber zugleich fachlich gefärbter Blick stand für das Veranstaltungsmotto: „Denkmalpflege als kulturelle Praxis“.

Vom 18. bis 21. Juni 2017 hatte sich die VDL zusammengetan mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und der Stadt Oldenburg. Die Veranstalter einigten sich vorab auf die These: „Die Denkmalpflege, die unter den von Menschen geschaffenen materiellen Geschichtszeugnissen die Denkmale erkennt und bewahrt, ist unzweifelhaft Teil der Kultur.“ Die im Programm als maßstabslos bezeichnete Modernisierung der 1970er Jahre habe den Siegeszug des Denkmalschutzes befördert. Heute müssten sich Denkmalpfleger einem neuen Modernisierungsschub stellen: den Folgen von Wiedervereinigung, demographischem Wandel und digitaler Revolution. Folgerichtig suchten die Vorträge und Exkursionen, Sektionen und Podien nach Antworten für die regionale und länderübergreifende Denkmalpflege. Am Montag führten Prof. Aleida Assmann (Konstanz) und Prof. Winfried Nerdinger (NS-Dokumentationszentrum München) ins Thema ein, diskutierten die Fachleute anschließend unter der Moderation von Prof. Arnold Bartetzky (Leipzig).

Die fünf im Schwerpunkt von den NLD-Mitarbeitern vorbereiteten Sektionen behandelten am Dienstag zunächst Teilaspekte des Tagungsthemas: Inventarisieren (Was machen wir mit der „Stadtreparatur“ der 1970er und 1980er Jahre?), Forschen an Denkmalen (Was wissen wir, was brauchen wir und wie können wir es teilen?), Praktische Denkmalpflege (Wie erhalten wir die Achitekturmoderne?), Umgang mit Spannungen (Was ist außer Denkmalpflege sonst noch wichtig?) sowie Netzwerke (Wie publizieren wir gut über unsere guten Inhalte? Hier war auch Karin Berkemann für moderneREGIONAL eingeladen, das Online-Magazin vorzustellen!). Am Nachmittag setzte Prof. Jörg Haspel (Landesdenkmalamt Berlin) mit seinem Impulsreferat das Thema der folgenden, von Prof. Sigrid Brandt (Salzburg) moderierten Podiumsdiskussion: Muss sich Europa auf einen Denkmalbegriff einigen, um nicht von Wirtschaft und Politik an den Rand gedrängt zu werden?

Am Ende von so viel Austausch standen keine fertigen Antworten. Die hatte wohl auch keiner erwartet. Aber es war unübersehbar, dass gerade mit Macht eine neue Generation von Denkmalen und sie Pflegenden nach vorne drängt. Es wäre zu wünschen, dass dieser Wechsel ebenso stil- und respektvoll von statten geht, wie Prof. Stefan Winghart zum Abschluss der Veranstaltung die NLD-Präsidentschaft ruhestandsbedingt an Dr.-Ing. Christina Krafczyk übergab. Das Ende der diesjährigen VDL-Tagung war also ein versöhnliches, ist doch das Oldenburger Land berüchtigt für fetthaltige Gerichte als Grundlage für alkoholhaltige Getränke. Beides dürfte beim heutigen „gemütlichen Ausklang“, der gemeinsamen Grillkulturpflege nach den Tagesexkursionen, sicher nicht zu kurz gekommen sein. Gastfreundschaft können die in Oldenburg.

Titelmotiv: Plakat der VDL-Jahrestagung 2017, Grafik-Design und Foto: Elke Behrens NLD

mR im „Süddeutsche Magazin“

Der Brutalismus hat es geschafft, zumindest letzten Freitag bis ins „Süddeutsche Magazin“: Der Hamburger Journalist Till Raether gesteht auf sechs Seiten seine wachsende Liebe zum selbstbewussten Baustil. Denn eigentlich sollte der kantige Kunststein doch die „Städte für alle“ ermöglichen: „Freie Betonareale träumten vom gesellschaftlichen Austausch, schwebende Betonfußwege von kurzen Wegen und frei fließendem Verkehr, gestaffelte Betonbalkone von Ausblicken für alle, Betonfassaden vor Gesamtschulen vom sozialen Aufstieg.“

Kongenial ergänzt wird der Text durch die „Brutalist Berlin“-Fotos von Denis Barthel. Eingeflochten sind Zitate von Oliver Elser von SOSBrutalism à la Pinterest seziert. Der britische Journalist Jonathan Meades bedauert die Skandinavier, die „ein tragischer Mangel an Unsensibilität und ein Exzess an Vernunft“ von brutalistischen Äußerungen abhielten. Und für moderneREGIONAL wird Karin Berkemann zur Frage zitiert, warum der graue Kunststein bei 40plus und 20plus gleichermaßen geliebt wird. Wer neugierig geworden ist, kann das Heft bei der freundlichen Süddeutsche-Zeitung-Redaktion nachbestellen oder nun auch online einsehen.

Kirchbauverein der Moderne

Es ist kein Geheimnis mehr, dass die moderne Kirchenlandschaft von Nordrheinwestfalen internationale Maßstäbe setzt. Nicht nur in ihrer Anzahl, sondern vor allem in ihrer Qualität. Doch leider hat sich auch schon herumgesprochen, dass dieser liturgische wie baukulturelle Wert „im Umbruch“ steht. Die Mitglieder- und Finanzstärke der beiden großen christlichen Konfessionen schwindet, die Bevölkerungsstruktur ganzer Viertel bricht um, Sanierungsmaßnahmen drängen, nicht immer gehen die Interessen von Kirche und Denkmalpflege in eine Richtung … Für immer mehr dieser traditionsreichen Räume müssen daher zusätzliche oder ganz andere Nutzungen gefunden werden.

Für diese große Aufgabe hat sich nun eine neue Initiative zusammengefunden, um auf Landesebene einen Kirchbauverein eigens für die Architekturmoderne zu gründen. Zu diesem Anlass wird zum 20. Februar 2017 zu einem Symposion eingeladen in den „Dialograum Kreuzung an Sankt Helena“ (Bornheimer Straße 130, 53119 Bonn), selbst ein in seiner Nutzung geöffneter Kirchenraum (1960, E. Steffann/N. Rosiny). Es grüßen und diskutieren Fachleute rund um den (rheinischen) Kirchenbau), darunter Oliver Meys, Philipp Stoltz und Karin Berkemann. Um 20 Uhr erfolgt die Gründung des „Kirchbauvereins der Moderne an Rhein und Ruhr“. Die Mitgliedschaft ist für natürliche und institutionelle Mitglieder möglich, der Satzungsentwurf ist erhältlich unter: info@kirchbauverein-moderne.de, 0179/7092046. Die Veranstaltung, unterstützt von StadtBauKultur NRW, bildet eine Kooperation mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, der Initiative „Kreuzung an Sankt Helena“ und moderneREGIONAL.