Kolloquium der Wüstenrot Stiftung

Kehl-Goldschauer, Maria Hilfe der Christen (Bild: Stefan Strumbel, CC BY SA 3.0, OTRS 2011062010011098)

„Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“ Goethe, natürlich, womit sonst könnte man eine deutsche Preisverleihung würdiger eröffnen. Die Kunsthistorikerin Kerstin Wittmann-Englert tat dies aus gutem Grund, denn aus ihrer Sicht haben wir – so der bekanntere Anfang des Faustzitats – etwas von unseren Vätern ererbt, das wir erst erwerben müssen, um es wirklich zu besitzen. Es geht um Kirchenbauten, die offensichtlich historischen ebenso wie die nachkriegsmodernen. Ausgelobt hatte die Wüstenrot Stiftung einen Wettbewerb für die besten Projekte, wie man eben jene Kirchen in die Zukunft führen und erhalten könne. Und Letztere sieht bundesweit nicht rosig aus

Die Gründe der Misere sind bekannt: weniger Mitglieder, weniger Geld, gleichbleibend viele Kirchenbauten. Doch sieht die Wüstenrot Stiftung hier eher „Herausforderung und Chance“, ließe sich dieser Schatz doch für Kirche und Kommune gleichermaßen heben. Die Resonanz auf den Wettbewerb gibt den Initiatoren Recht, gingen doch stolze 291 Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet ein, davon wurden insgesamt neun prämiert, darunter mehrheitlich Nachkriegskirchen. Die Preise überreichte die Wüstenrot Stiftung am 27. April 2016 im Stuttgarter Hospitalhof, selbst ein Vorzeigebau für Kirche in der Stadt. Den Auftakt bildete am Nachmittag ein Kolloquium, das mit Vor- und Impulsbeiträgen sowie einem anschließenden Podium das Thema grundsätzlich einkreiste.

Unter den Rednern fanden sich Prof. Dr. Kerstin Wittmann-Englert (TU Berlin), Reinhard Miermeister (Landeskirchenbaudirektor, Evangelische Kirche von Westfalen), Stephan Tschepella (Diözesanbaudirektor i. K., Bistum Speyer), Stadtdekan Søren Schwesig (Evangelische Kirche Stuttgart), Prof. Dr. Kerstin Gothe (KIT Karlsruhe), Dr. Karin Berkemann (moderneREGIONAL, Frankfurt). Die Wüstenrot Stiftung und ihre Fachjury jedenfalls prämierten bewusst solche Projekte, die Kirchen als öffentliche Räume stärken und ihre vorhandenen architektonischen Qualitäten noch unterstreichen. Daher wurde auch nicht „nur“ die jeweilige Gemeinde ausgezeichnet, sondern immer auch der Architekt mit dazu bedacht und auf die Bühne gebeten. Am Rande der Veranstaltung gab es auch eine Wanderausstellung, die rund 20 vorbildhafte Einsendungen aus dem Wettbewerb bundesweit herumzeigen will.

 

Bild: Kehl-Goldschauer, Maria Hilfe der Christen (Foto: Stefan Strumbel, CC BY SA 3.0, OTRS 2011062010011098)